Sonntag, 3. Februar 2013

Karneval, Fasching, Fastnacht - Horror oder Vergnügen?

Fastnacht in Mömlingen: Beim dynamischen Rap brachte MCV-Sitzungspräsident Karlheinz Muth  mit den Mädels vom TV die Bühnenbretter zum Erzittern.
Für rasende Reporterinnen wie mich ist die Berichterstattung über Prunksitzungen im Fasching eine Pflicht. Die Frage: Ist es Horror oder Vergnügen? kann nicht mit einem Satz beantwortet werden. Für mich ist es ein bisschen von allem, mal mehr oder weniger Vergnügen, mal mehr oder weniger Horror. Da mich die Grippewelle überrollt hatte, um die ersten Karnevalstermine zu erfüllen, bin ich dem Horror mehr oder weniger davon gekommen, der sich nicht unbedingt durch das Niveau der gebotenen Programmpunkte ausdrückt, sondern eher in den fünf bis sechs Stunden, die ich in proppevollen Sälen mit schlechter Lüftung und oft überforderten Bedienungen verbringen muss. Meist ist es so, dass ich in der ersten Hälfte des Abends ohne Getränk auskommen muss, weil die Bedienungen mich gar nicht wahr nehmen (wollen). Offensichtlich sind wir Zeitungsleute beim Servicepersonal nicht besonders gut angesehen.

Fünf bis sechs Stunden Karnevalssitzung: Sitzfleischtraining pur


Weiterer Horror ergibt sich, wenn der Sonntag futsch ist. Meist komme ich mitten in der Nacht heim - frühestens gegen 1 Uhr morgens. Damit ich nicht mit den Hühnern wieder aus den Federn springen muss, übertrage ich dann gleich die geknipsten Fotos vom Speichermedium der Kamera auf den PC. Weil ich auch noch Diaserien für die Internetseite und das Spezialthema "Fasching" der Tageszeitung "Main-Echo" hochladen muss, schieße ich natürlich eine Menge Bilder, damit ich eine vernünftige Auswahl habe. Bis ich dann endlich in Tuchfühlung mit meiner Bettwäsche gehen kann, ist es dann meistens nach 2 Uhr morgens.

Der Höhepunkt der alljährlichen Karnevalssitzung in Mömlingen ist die Playback-Show, wie hier am 2. Februar 2013 mit Michael Wolf, der die Pop-Ikone Madonna parodiert.

Ausschlafen im Fasching Fehlanzeige


Vom Ausschlafen kann ich an den Sonntagen im Karneval allerdings nur träumen! Spätestens um 8 Uhr muss ich mich aus dem Pfuhl schälen, denn bis ich den Text geschrieben und Korrektur gelesen, die Bilder bearbeitet und die Diaserien konfiguriert und über die Datenautobahn gejagt habe, vergehen noch mal mindestens drei bis vier Stunden. Das bedeutet in der Regel, dass ich einen handfesten Krach mit meiner zuweilen besseren Hälfte bekomme. Der Göga ist nämlich ein Sonntag-Mittagessen-Fetischist. Ihm hängt spätestens gegen 12.30 Uhr die Zunge an einer der beiden Kniescheiben, weil er Hunger hat und "Kloßi mit Soßi und Sonntagsbraten" begehrt. Die Krönung des Horrors wird erreicht, wenn das Übertragen der Dia-Serien nicht klappt, weil der Verlagsserver überlastet ist. Ihr werdet es kaum glauben: Im Verbreitungsgebiet des "Main-Echo" (von mir gerne "gemeines Echo" genannt), das sich über Unterfranken bis ins baden-württembergische Wertheim im Süden und in den hessischen Odenwald im Westen erstreckt, gibt es noch mehr rasende Reporter und Reporterinnen, die ihre gesammelten Werke von den Elferratssitzungen loswerden wollen!

Die kleinen Hexen der MCV-Kindergarde zeigen eine sprichwörtlich "bezaubernde" Tanzshow.

MCV-Sitzung in Mömlingen ein Knaller


Ich muss zugeben, Vergnügen habe ich, wenn ich sehe, mit wie viel Engagement die Fastnachter ihre Veranstaltungen vorbereiten. Gestern Abend war ich in Mömlingen bei der Prunksitzung des MCV. Das Programm hatte ein hohes Niveau, und die Dekoration (sowohl auf der Bühne als auch im Saal) war der Knaller. Die Kostüme und Tänze waren ebenfalls eine Wucht, und auch die Büttenreden stellten sich als Zwerchfellreizer dar. Außerdem hatte ich das Glück der extrem netten Bürgermeistersgattin Leonie Scholtka gegenüber zu sitzen. Was ich schon von jeher verabscheut habe, das Schunkeln und Singen von Stimmungsliedern, konnte ich prima vermeiden, indem in im Saal herumgeschossen bin, um die gut gelaunten Karnevals-Narren zu fotografieren. Insgesamt kann ich sagen: Der Abend war an sich ein Vergnügen. Die Aufbereitung dessen und die lange Zeit waren allerdings Horror pur. Wenn ich den Aufwand und das zu erwartende Honorar gegenüberstelle, überlege ich mir tatsächlich, ob ich nicht lieber putzen gehen soll...



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