Mittwoch, 22. Januar 2014

Was Unternehmer und der BVMW zu "EEG 2.0" sagen

Ein interessantes Thema, das mich nicht erst seit der Atomkatastrophe in Fukushima beschäftigt, ist die autarke Energieversorgung von Kommunen durch regenerative Energieformen. Die Pläne der Bundesregierung zum neuen Energiekonzept, kurz unter "EEG 2.0" zusammengefasst, treibt mir die Feder aus dem Hut. Ganz aktuell dazu fand heute eine Veranstaltung des BVMW zum Thema „Energiekosten langfristig planbar machen“ statt. Rund zwei Dutzend Unternehmer und Geschäftsführer aus dem Raum Aschaffenburg und Miltenberg hatten die Einladung von Bea Brenner und der Energiegenossenschaft Untermain angenommen, um sich im Rahmen eines Unternehmerfrühstücks in der Müllerei in Obernburg vom Energiefachmann Karlheinz Paulus (Miltenberg) über die Modelle der Energiegenossenschaft Untermain zu informieren, unter anderem auch über die Möglichkeiten eines Energie-Contractings.

 Beim Unternehmerfrühstück des BVMW informiert Energie-Fachmann Karlheinz Paulus zum Thema „Energiekosten langfristig planbar machen“.

Wenig erbaut zeigen sich die Vertreter mittelständischer Unternehmen über die Pläne der Bundesregierung in der Energiepolitik. Sie übten heftige Kritik am Vorhaben von Vizekanzler Gabriel , den Schwerpunkt auf die Zentralisierung von erneuerbaren Energien zu legen, die Förderung von Öko-Strom zu kappen und die EEG-Umlage auch denen aufzubrummen, die den regenerativ erzeugten Strom nur für den Eigenbedarf verwenden und nicht ins Netz einspeisen. „Gerade durch die ständigen Änderungen der gesetzlichen Vorgaben ist für Unternehmer nichts mehr planbar“, beschwerte sich einer der Teilnehmer.

Unternehmer haben ihre Hausaufgaben gemacht

Die stetig steigenden Energiekosten als Bremse der Wettbewerbsfähigkeit werden vom Mittelstand mit Sorge beobachtet, wie Beatrice Brenner (Elsenfeld), Leiterin der BVMW-Geschäftsstelle am bayerischen Untermain, zusammenfasste. Sie wies darauf hin, dass viele kleine und mittelständische Betriebe ihre Hausaufgaben in Richtung Energiewende gemacht haben, den Schwerpunkt auf Energie-Effizienz setzen und eine dezentrale Energieversorgung befürworten.

Gerade das möchte die Energiegenossenschaft Untermain in der Region umsetzen, Bürger, Kommunen und Unternehmen bei ihren Vorhaben einer autarken Energieversorgung unterstützen. Laut Karlheinz Paulus eine „nicht ganz einfache Sache“. Er machte seine Kritik an den Lobbyisten der großen Energiekonzerne fest, die auf allen Ebenen gegen die Energiewende arbeiteten und die Bemühungen um dezentrale Energieprojekte torpedierten. Die Energiegesellschaft Untermain setze auf Nachhaltigkeit, auf kalkulierbare Strompreise und darauf, die Wertschöpfung in der Region zu halten und nicht auswärtigen Investoren zu überlassen. Paulus machte klar, dass die Einspeisevergütung über das erneuerbare Energien Gesetz (EGG) kaum mehr einen Anreiz bedeute, in regenerative Energie-Erzeugung zu investieren. „Wir befinden uns zurzeit in einem Systemwechsel, der uns in den nächsten fünf Jahren beschäftigen wird“, sagte er und war sich sicher, dass das EEG allmählich auslaufen wird.

Bei der Stromerzeugung durch Fotovoltaik seien viele Hausbesitzer und Unternehmen gar nicht auf eine Einspeisevergütung erpicht, weil sie die gewonnene Energie ausschließlich für den Eigenbedarf verwendeten. „Hier können wir auch ohne EEG mithalten“ sagte Paulus im Zusammenhang mit den von der Energiegenossenschaft Untermain umgesetzten Projekten. Die Pläne von Sigmar Gabriel, auch hier eine Umlage nach dem Solidaritätsprinzip einzufordern, obwohl es ausschließlich um autarke Energieerzeugung gehe, bezeichnete Paulus als fragwürdig. „Wenn ich Äpfel in meinem Garten ernte, muss ich dafür ja auch keine Steuern zahlen“.

Den Unternehmern, die eine Fotovoltaikanlage oder ein Blockheizkraftwerk zur eigenen Energie-Erzeugung ins Auge fassen, riet Paulus, zunächst eine Analyse aufzustellen und auszurechnen wie hoch der Strom- und Wärmebedarf zu welchen Zeiten ist, um die Leistungskapazität der Energiequelle danach auszurichten. Hier leiste die Energiegenossenschaft Unterstützung. Es stelle sich jedoch die Frage, ob ein Betrieb in 20 Jahren noch am selben Standort sein wird oder überhaupt noch existiert, damit sich die Investition langfristig auch trägt. Insgesamt riet der Energieberater zu einem Contracting-Vertrag, den er als „Rundum-Sorglos-Paket“ bezeichnete. Das Unternehmen zahle dann nur über eine festgelegte Laufzeit einen Betrag an den Energieversorger wie die Energiegesellschaft Untermain, nutze die Vorteile der Energie-Effizienz und spare Investitionskapital und Personal. Angesichts der geplanten Reformen in der Energiepolitik sei abzuwarten, welche Konsequenzen sie für ein solches Modell haben.

Weitere Informationen über die Energiegenossenschaft Untermain im Internet unter www.energiegenossenschaft-untermain.de

Der Mittelstand und die Energiewende

Laut einer aktuellen Umfrage haben bereits mehr als 65 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten ergriffen. Laut BVMW, dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, mit steigender Tendenz. Der Verband hatte auch eine Studie in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, ob eine dezentrale Stromversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien überhaupt ökonomisch sinnvoll ist. Das vom Reiner Lemoine Institut ermittelte Ergebnis vom 21. Oktober 2013 ist eindeutig: Es wird empfohlen, den Ausbau der erneuerbaren Versorgungsstrukturen dezentraler zu gestalten, Fotovoltaik und Onshore Windkraft in nahezu allen Regionen auszubauen. Wie in der Zusammenfassung zu lesen ist, würde sich eine zentralisierte Erzeugung wie große Offshore Windanlagen oder die Konzentration auf Sonnenenergie nur im Süden nachteilig auf eine ausgeglichene wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen auswirken. Am 16. Januar dieses Jahres hatte der Bundesvorsitzende des BWMW, Mario Ohoven, die aktuellen Pläne der Bundesregierung in einer Presse-Erklärung scharf kritisiert und stellte die Sinnhaftigkeit der von Union und SPD geplanten Reformen in Frage. „Die Begrenzung der Windkraft auf die so genannten guten Standorte führt zu einer zunehmenden Zentralisierung der Energiewende. Die Folge sind ein teurer Netzausbau und steigende Gewinne bei den vier großen Versorgern“.