Dienstag, 29. Juli 2014

BVMW informiert über nachhaltige Unternehmensführung

Mehr als 100 Teilnehmer lauschen den Vorträgen der vom Verband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW)und dem TÜV-Rheinland organisierten Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit bei WIKA in Klingenberg.
Eine nachhaltige Unternehmensführung hat eine Innen- und Außenwirkung. Wie sie sich gestalten lässt, auf welche Parameter Führungskräfte achten müssen, um ihren Betrieb fit für die Zukunft zu machen, wurde in einer Veranstaltung der regionalen Geschäftsstelle des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) in Kooperation mit TÜV Rheinland am Donnerstagabend im Casino des Unternehmens Alexander Wiegand SE und Co. KG (WIKA) im Klingenberger Stadtteil Trennfurt beleuchtet. Vor mehr als 100 Teilnehmern erläuterten fünf Referenten, was es heißt, Potenziale zu nutzen und Risiken zu minimieren. So lautete auch der Titel der Vortragsreihe. Beatrice Brenner aus Elsenfeld, die in der Geschäftsstelle des BVMW die Aktivitäten am bayerischen Untermain koordiniert und Ansprechpartnerin für den Mittelstand vor Ort ist, erläuterte eingangs die Leitlinien und Aktionsfelder des Verbandes.

Ökologische und soziale Verantwortung
Ökologische und soziale Verantwortung spielt bei der strategischen Ausrichtung von Unternehmen eine immer größere Bedeutung. WIKA-Geschäftsführer Alexander Wiegand erläuterte dies am Beispiel seines mittelständischen, international agierenden Betriebs mit Stammsitz in der Rotweinstadt Klingenberg. Den demografischen Wandel bezeichnete Wiegand als die zentrale Herausforderung, wo an den Stellschrauben für die Unternehmensausrichtung gedreht werden muss, um zukunftsfähig zu bleiben und die Folgen der Demografie zu stemmen.

Der WIKA- Geschäftsführer erklärte die Ausrichtung seines Unternehmens unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit. So wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit Gleitzeit und Kinderbetreuung in Kooperation mit der Stadt umgesetzt. Weiterhin wird den Mitarbeitern die Möglichkeit geboten, auch von zuhause aus arbeiten zu können. Die Unternehmensleitung setzt auf Frauen- und Nachwuchsförderung, Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsmaßnahmen wie Kieser-Training auf dem Werksgelände, veranstaltet jährlich einen öffentlichen Staffelmarathon und engagiert sich auch gesellschaftlich.

Den Blickwinkel weiten
Im Lauf der Veranstaltung wurde deutlich gemacht, dass Unternehmer und Führungskräfte ihren Blickwinkel weiten müssen, um sich mit den Einflüssen auf ihren Geschäftsbetrieb und den möglichen Risiken auseinanderzusetzen. Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung, ein effektives und effizientes Energiemanagement und Informationssicherheit genießen nach Aussagen der Fachleute einen immer höheren Stellenwert und sind entscheidend für den Fortbestand eines Unternehmens. Der Unternehmensberater und Kommunikationstrainer Alexander Wolf (Osnabrück) erläuterte in einer bildhaften Präsentation, wie fatal sich ein Tunnelblick und ein Automatismus in der Unternehmensführung auswirken können. Er riet dazu, die für den Betrieb relevanten Themen aus einem breiten Blickwinkel zu betrachten, kreativ zu sein und klare Ziele zu definieren, statt an eingefahrenen Strukturen festzuhalten. 

Ansätze und Konzepte für die Zukunftssicherung von Unternehmen erläuter Natalie Engst von TÜV Rheinland bei der Veranstaltung des Regionalverbandes der mittelständischen Wirtschaft im WIKA-Casino.

Maßnahmen zur Nachhaltigkeit lohnen sich
Reinhard Bier von TÜV Rheinland in Köln veranschaulichte anhand einer Studie, dass sich lediglich 48 Prozent aller mittelständischen Unternehmer mit Maßnahmen zur Risiko-Minimierung auseinandersetzen und mehr als 20 Prozent die Potenziale ihres Unternehmens nicht ausschöpfen. Bastian Rüther, Dozent für Technologie und Didaktik der Technik an der Universität Duisburg-Essen, machte klar, dass sich Maßnahmen zur Nachhaltigkeit für einen Betrieb lohnen. Nicht nur weil Kosten eingespart werden, sondern weil sie förderlich für das Betriebsklima sind und einen Imagegewinn nach außen darstellen. Laut Rüther zeigt sich eine hohe Verantwortung für die Mitarbeiter gerade in den unternehmergeführten Betrieben. Die Mitarbeiter in die Prozesse einzubinden, sie für die Notwendigkeit von Maßnahmen zu sensibilisieren, fördere eine nachhaltige Unternehmensführung. Wo die Ressourcen liegen und wie sie ausgeschöpft werden können, zeigte TÜV-Rheinland Mitarbeiterin Natalie Engst, Leiterin der Abteilung „New Business an Projects“ in Köln anhand von sieben Säulen zur Unternehmensausrichtung, die auch für die ISO-Zertifizierung eine Rolle spielen: Qualitätsmanagement, Energie- und Umweltstandards, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Informationssicherheit und Datenschutz, Weiter- und Fortbildung und soziale Verantwortung. Sie bestätigte unter anderem die These, dass die Umstellung auf Zulieferer aus dem In- und Ausland, die ebenfalls Nachhaltigkeits-Standards erfüllen, das Unternehmensimage fördert und die Wahrscheinlichkeit von Lieferengpässen mindert.

Zertifizierungen nach der Internationalen Organisation für Normung (ISO)
Zertifizierungen nach internationalen Standard-Vorgaben sind in mittelständischen Betrieben Maßnahmen zur Wettbewerbsfähigkeit, aber auch zur Nachhaltigkeit. Ihnen geht immer ein Audit voraus. Der TÜV Rheinland gehört zu den Prüfdienstleistern, die solche Audits vornehmen und die Unternehmen und Organisationen bei der Umsetzung der ISO-Standards begleiten. Bei einer Zertifizierung handelt es sich um eine systematische und objektive Untersuchung, die den Erfüllungsgrad der ISO-Anforderungen bewertet. Die bekannteste ISO-Zertifizierung ist die mit der Ziffernfolge 9001 fürs Qualitätsmanagement. Die ISO 14001 bezieht sich aufs Umweltmanagement, die ISO 13485 aufs Qualitätsmanagement für Medizinprodukte und die ISO 27001 auf die Informationssicherheit. Der in Deutschland vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Jahr 2011 unter ISO 26000 veröffentliche Leitfaden für Unternehmensethik umfasst keine genormten Standards, sondern gibt nur Orientierungspunkte und Empfehlungen, wie sich Organisationen und Unternehmen verhalten sollten, um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und den Gedanken der nachhaltigen Unternehmensführung mit Leben zu erfüllen.
Hier der Link zum BVMW für den bayerischen Untermain, wo auch die einzelnen Vorträge als Download zur Verfügung stehen.