Freitag, 7. August 2015

Upcycling - Tolles Design von Schülern der Mittelschule in Klingenberg entwickelt

Schüler der Klasse 7 b mit "Profi-Upcycler" Thomas Abb (Mitte sitzend) und ihrem Lehrer Sadik Sanali (zweiter von rechts stehend). Die zusammengeschraubten ehemaligen Konferenzstühle sollen ein schickes Sofa werden.
Das fertige Sofa mit einem Upcycling-Tisch in Pink.

und hier in leuchtendem Grün...
Bereits im vergangenen Jahr hatte ich über den Upcycler Thomas Abb aus Klingenberg am Main (Stadtteil Trennfurt) berichtet ( Upcycling: Aus Müll und Schrott Nützliches und Dekoratives  herstellen), der aus Weggeworfenem die schicksten Möbel und Objekte herstellt. Nun hat er zusammen mit den Schülern der siebten Klassen in der Konrad-Wiegand-Mittelschule direkt am Brückenkreisel der Rotweinstadt ein Upcycling-Projekt abgeschlossen. Zusammen mit den Lehrern Sadik Sanali und Kerstin Hoffmann hat er den Jugendlichen im Kunstunterricht gezeigt, dass man nicht alles wegwerfen sollte, denn aus vielen Dingen, die vermeintlich Schrott oder Müll sind, kann man etwas Neues herstellen.
Als Thomas Abb bei Rektor Harald Scherg angefragt hatte, ob er das Thema Upcycling an die Schule bringen kann, war der Schulleiter von der Idee begeistert. "Das passt prima zu unseren Schülern, denn sie streben meist in handwerkliche Berufe, wo solche Fertigkeiten gefragt sind". Zum anderen sah er den Effekt, Schüler zu motivieren, das Ziel, das sie vor Augen haben, konsequent umzusetzen, von der Idee bis zur Fertigstellung. Der dritte Aspekt, Müll zu vermeiden und der Wegwerfmentalität etwas Kreatives entgegenzusetzen, bewertete er als besonders sinnvollen pädagogischen Hintergrund. Thomas Abb hat dann die meisten Materialien besorgt, die von einheimischen Firmen gespendet wurden und auch Werkzeug mitgebracht, das in der Schule nicht vorhanden war.

Die fertigen Exponate wurden zum Abschluss des Schuljahres ausgestellt und stießen auf große Bewunderung. Sadik Sanali, Kerstin Hoffmann und Thomas Abb haben es sich auf der von Schülern gefertigten Relax-Bank gemütlich gemacht und fühlen sich offensichtlich pudelwohl.
Während sich die 13-jährige Beyza aus der 7 b vorgenommen hatte, aus einer alten CD-Box eine stimmungsvolle Lampe herzustellen, haben sich der ebenfalls 13-jährige Giray und die ein Jahr älteren Mitschüler Can und Daniel mit dem Upcycling von ehemaligen Konferenzstühlen befasst, die Armlehnen entfernt und sie zu einer Sitzgruppe zusammengeschraubt. Der 13 jährige Servan hat aus alten Blechdosen sehr attraktive Vorratsdosen kreiert. Der 14-jährige Serhat aus der Parallelklasse hat einen in die Jahre gekommenen Stuhl mit einem Drachen verziert und ihm so ein neues und attraktives Outfit gegeben. Seine Klassenkameradin Franziska, 13 Jahre alt, hat ein Insektenhotel aus Milchkartons und Tannenzapfen hergestellt und die 12-jährige Leonie hat zusammen mit weiteren Klassenkameraden einen schicken Tisch aus Holzabfällen gebastelt. Der 14-jährige Emre hat sich mit Elan an den Schleifarbeiten bei verschiedenen Werkstücken beteiligt. Der 13-jährige Kevin hat einen rollbaren Stuhl zusammengebaut, und sein gleichaltriger Klassenkamerad Leon hat einem Tisch und einer pinkfarbenen Sitzgruppe mitgewerkelt So haben alle Schüler Hand in Hand gearbeitet und erfahren, wie viel Spaß Teamarbeit macht.

Umringt von ihren Klassenkameraden zeigt Beyza, dass die Lampe funktioniert, die sie aus einer alten CD-Box gebastelt hat.
Für Thomas Abb war das Upcycling Projekt mit den Schülern eine sehr beflügelnde Erfahrung, wenn auch ein bisschen anstrengend, wie er zugab. Oft kamen mehrere Schüler gleichzeitig auf ihn zu, um ihn etwas zu fragen oder um Hilfestellung zu bitten. Von Mai bis Juli war er wöchentlich an zwei Tagen in der Schule, um gemeinsam mit den Jugendlichen zu schrauben, zu kleben, zu schleifen, zu sägen und zu hämmern. Er freut sich, dass die Schüler mit großer Freude und Elan bei der Sache waren und bestrebt sind, die Idee des Upcycling weiter zu entwickeln. Die kleineren Gegenstände nahmen sie als Erinnerungsstücke mit nachhause. Im November 2015 ist eine Ausstellung der Exponate im Landratsamt in Miltenberg im Rahmen der Woche zur Müllvermeidung geplant.

Drei Schülerinnen bereiten im Schulhof Paletten zur Weiterverarbeitung vor.
Der aus einem Benzinfass gefertigte Grill
fand gleich Verwendung:
zur Klassenparty am Schuljahresende.
Die beiden Lehrer, Kerstin Hoffmann und Sadik Sanali bewerten das Projekt ebenfalls sehr positiv und wünschen sich, dass mehr Schülerstunden für solche beispielhaften Angebote zur Verfügung gestellt werden. Kerstin Hoffmann sieht hier einen  wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Sadik Sanali stellt Thomas Abb ein herausragendes Zeugnis aus. "Sein Beitrag war einfach toll", sagt er. Für beide Lehrkräfte war es eine schöne Erfahrung, wie sie bestätigen. Die Schüler seien mit Herz und Hand bei der Sache gewesen und hätten konsequent an ihren Werkstücken bis zum letzten Pinselstrich und zur letzten Schraube gearbeitet. Die Pädagogen denken daran, das Upcycling-Projekt in einer Art Schülerfirma weiter zu führen, vorausgesetzt, die Schülerstunden werden vom staatlichen Schulamt zur Verfügung gestellt. 

Ein Dankeschön
Die Lehrer, Schüler und Thomas Abb bedanken sich bei folgenden Firmen, die das Material für die Upcycling-Exponate zur Verfügung gestellt haben:
Aula-Druck (Klingenberg-Trennfurt) für die Holzpaletten, Firma Blaschek (Klingenberg-Trennfurt) für die Stühle, Partyservice Holger Seidel (Klingenberg-Trennfurt) für die Blechdosen, Christiana Baumeister (Erlenbach) für die Glasfläschchen, Firma Josef Neuberger (Großheubach) für das Benzinfass und die großen Kartons.

Demnächst ist eine Reportage im Main-Echo über das Projekt nachzulesen. Vielen Dank den Schülern und Lehrern, die mich "rasende Reporterin" so herzlich aufgenommen haben. Da macht die Arbeit richtig Spaß! - und ein besonderes Dankeschön auch an Thomas Abb, der so kreative Ideen hat und mich daran teilhaben lässt!


Hier noch einige Impressionen aus der Vielfalt der Upcycling-Projekte


Beyzas Lampe

Ein Computertisch aus einer Palette, ein upgecycelter Stuhl und ein zusammenklappbarer Weihnachtsbaum aus Lattenrost-Teilen.

Mit etwas Farbe gewinnt ein alter Stuhl ein neues Gesicht, daneben ein schickes Regal aus Palettenholz.

Stylische Wind- und Partylichter.

Und wer noch mehr über Upycling erfahren will, kann in dem Beitrag "Upcycling" - was is'n das" Hintergrundinformationen und mehr über die Intention von Thomas Abb nachlesen.
Hier der am 27. August im Main-Echo erschienene Artikel zum Projekt: