Donnerstag, 25. Juli 2019

Wunderbare Clingenburg-Festspiele 2019

Die tapferen Schneiderlein der Clingenburg-Festspiele 2019 von links: Gewandmeister Thomas Dohm und die Nadelflinken Susanne Stasunik, Sofia Straub und Sandra Thuy Hang Schröder.
Foto: Ruth Weitz

Als rasende Reporterin bin ich in diesem Jahr bei allen Premieren der diesjährigen Clingenburg-Festspiele gewesen und habe darüber berichtet. Am Ende dieses Blog-Posts sind alle Links zu den Veröffentlichungen der Kritiken über die Theaterstücke aufgeführt, die ich geschrieben habe. Es war mir ein Bedürfnis auch hinter die Kulissen zu blicken und zu beschreiben, was die Profis backstage leisten, beispielsweise in der Schneiderstube und auch hinter der Bühne, wenn etwas blitzschnell geflickt oder geändert werden muss.

Die tapferen Schneiderlein der Clingenburg-Festspiele


Die Hintergrundarbeiten bei den Clingenburgfestspielen sind vielfältig. Das Publikum sieht meist nur das, was sich auf der Bühne abspielt. Backstage sind Profis am Werk, damit der Theatergenuss perfekt wird. Die Schneiderei hatte bis zur Premiere von »Shakespeare in Love« auf der Clingenburg alle Hände voll zu tun. Bei der Generalprobe des Stücks am Freitag, 18. Juli, waren die Nadelflinken noch einmal gefordert. Dann endete der Vertrag mit dem Verein Clingenburgfestspiele. Ob sie im nächsten Jahr wieder in der Schneidstube in der Ludwigstraße anrücken und während den Vorstellungen auf der Clingenburg sind, steht noch in den Sternen.
 

Die fleißigen Helfer hinter und vor der Bühne


Die Begeisterung des Publikums bei den Vorstellungen der Clingenburgfestspiele ist groß. Neben der Inszenierung und der Schauspielkunst sind es die vielen Helfer, die dafür sorgen, dass auf der Bühne gutes Licht und astreiner Ton herrschen, die Kostüme passen, bei Bedarf ausgebessert werden, die Maskenbildnerinnen den Schauspielern für ihre Rollen das perfekte Aussehen verleihen. Hinzu kommen die vielen ehrenamtlichen Helfer, die den Ausschank und den Kartenverkauf an der Theaterkasse übernehmen. Fürs Catering während der Vorstellungen ist in diesem Jahr die Miltenberger Metzgerei Bergmann verantwortlich. 

Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge


Gewandmeister Thomas Dohm, der langjährige Theater- und Festspielerfahrung hat, geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Er darf sich nun auf Entspannung freuen, hat aber das kleine Städtchen am Main und das Schneiderteam lieb gewonnen und wird beides laut eigener Aussage »ein bisschen vermissen«. »Eigentlich wollte ich 2019 einmal mit der Festspielarbeit pausieren«, sagte er. Aber dann kam es für den gebürtigen Offenbacher doch ganz anders. Von Kollegen aus Gießen hatte er erfahren, dass Intendant Wolfgang Hofmann ein kompetentes Schneiderteam für die Clingenburgfestspiele sucht. Er hat sich für die Aufgabe erwärmen lassen und bei seiner Kollegin Sandra Thuy Hang Schröder angefragt, ob sie mitmachen würde. Beide hatten schon oft zusammengearbeitet. Dohm wohnt in Bad Ems, seine Kollegin Sandra in Hamburg. Susanne Stasunik und Sofia Straub, beide aus Kleinwallstadt, kamen auf Empfehlung und wurden von Esther Bätschman ausgesucht, die sich bei den Clingenburgfestpielen 2019 fürs Bühnenbild und für die Kostüme verantwortlich zeigt.

Ökonomisches Denken und Kreativität gefordert


Nun sind alle tapferen Schneiderlein wieder zurück in ihren Heimatorten. Tapfer sind die vier aus der Schneiderei deshalb, weil sie oft blitzschnell improvisieren müssen, Kreativität und ökonomisches Denken gleichzeitig gefordert ist. Außerdem müssen sie sieben Tage die Woche da sein, um zeitnah zu den Aufführungen in der Schneiderei zu werkeln. Nicht immer alle gleichzeitig. Im Team wird abgesprochen, wer an Bord sein sollte. In enger Zusammenarbeit mit Esther Bätschmann, die sich wiederum an den Vorgaben der Regisseure und des Intendanten orientiert, werden die Kostüme den Schauspielern sozusagen auf den Leib geschneidert. Bei den Hauptproben stellt sich meist heraus, welche Änderungen noch vorgenommen werden müssen. Bei »Shakespeare in Love« beispielsweise war der weiße Rock, den Laura Bleimund als Viola im letzten Drittel der Aufführung trägt, zu kurz. Da setzte sich Sandra Thuy Hang Schröder noch einmal an die Nähmaschine, um aus dem vorhandenen Stoff einen neuen Rock zu nähen.

 
Sandra Thuy Hang Schröder nimmt die letzten Änderungen vor der Premiere von »Shakespeare in Love« vor.
Foto: Ruth Weitz


Mit einer Träne im virtuellen Knopfloch


Die Vier in der Schneiderstube haben sich prima verstanden und viel miteinander gelacht. »Es gab natürlich hin und wieder Differenzen - und es hat manchmal auch gefetzt«, erzählt Susanne Stasunik. Allerdings hätten sich die Wogen schnell wieder geglättet. Übereinstimmend erklären sie: »Es hat richtig Spaß gemacht!«. Nun sind sie wieder in alle Windrichtungen zerstreut - mit einer kleinen Träne im virtuellen Knopfloch.


Hier zu den Kritiken der Premieren 2019 auf der Clingenburg:

Theaterstück »Tschick« begeistert die Zuschauer

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