Dienstag, 13. Juli 2021

Äktschen mit Herrn Lui, Zirkuspädagoge, Clown und Fakir

Als Herr Lui, Clown uns Fakir, bereitet der professionell ausgebildete Zirkuspädagoge aus Reichenberg vielen Menschen Freude. 
Fotos: Herr Lui


Das kulturelle Leben und die Angebote der Kinder- und Jugendbildung waren durch die Coronapandemie in den letzten 15 Monaten nur sehr eingeschränkt möglich. Wie viele seiner Künstlerkollegen wurde Herr Lui aus Reichenberg (bekannt auch als künstlerischer Leiter des Kinder- und Jugendcircus' Blamage im Kreis Miltenberg) davon kalt erwischt. Abgesehen von ein paar wenigen Onlineprojekten gab es so gut wie keine Zirkusprojekte oder Auftritte mehr. Da mich mit Herrn Lui eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet, veröffentliche ich gerne diesen Post auf meinem Blog.

In dieser für viele Künstler*innen schlimmen Corona-Zeit ist das Projekt »Stimmung mit Herrn Lui« entstanden. Um auch in dieser schwierigen Zeit Menschen emotional zu erreichen und ihnen eine Freude im Leben zu machen, hat Herr Lui verschiedene Stimmungsartikel entwickelt, die nun zum Verkauf angeboten werden. Herr Lui will darüber auch einen Beitrag zu seiner eigenen wirtschaftlichen Absicherung leisten.
Die Beantragung der verschiedenen Hilfspakete für soloselbstständige Künstler war für Herrn Lui schwierig.

Obwohl so gut wie alle Einnahmen ausblieben, hat Herr Lui sich am Ende gegen die Beantragung entschieden. Anstatt auf steuerfinanzierte Hilfen zurückzugreifen, hat er seinen Lebensunterhalt über Hilfsarbeiten auf Baustellen bestritten. Ihm war es wichtig, zuversichtlich zu bleiben und weiterhin auf eigenen Beinen zu stehen. Mit dem Verkauf seiner neuen Stimmungsartikel versucht er nun wieder als Clown in Erscheinung zu treten. Über die Homepage www.herrlui.de werden Magnete und Postkarten
mit verschiedenen Stimmungsgesichtern, ein Puzzle und ein Memo-Spiel mit dem Clown Herr Lui vor Würzburger Sehenswürdigkeiten angeboten.

Wer ist Herr Lui?



Herr Lui ist Circuspädagoge und arbeitet seit 1989 als professioneller Clown und Feuerfakir. 1993 war er Mitbegründer des integrativen Kinder- und Jugendzirkusvereins Circus Blamage aus dem Landkreis Miltenberg. Freiberuflich engagiert er sich als künstlerischer Leiter bei verschiedenen Kinder- und Jugendzirkusprojekten wie dem Circus Mumm, dem Zirkus Schnipp der Jugendbildungsstätte Volkersberg und dem Circus Wirbelwind des Landkreises Würzburg. Darüber hinaus hat er sich auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderung spezialisiert und bietet sowohl Auftritte bei Betriebsfesten, Festspielen, Straßenfesten und Kindergärten wie auch Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.



Vielen Dank, lieber Lui für die Freude, die du uns bereitest! Wir hoffen alle, dass wir dich bald in Natura und »Äktschen« wiedersehen,


Donnerstag, 1. Juli 2021

Ein Coronaprojekt der besonderen Art: Ein Kochbuch aus der HSG Mensa-Küche

 


Wer an die Mensa-Küchen der Vergangenheit denkt, verbindet dies häufig mit dem Gedanken »Der Hunger treibt's rein«. Schmackhaft waren die Speisen aus den Großküchen - früher eigentlich nur in Universitäten - nicht immer, eher selten. Seitdem durch die offenen und geschlossenen Ganztagsschulen in den unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen für die Schülerinnen und Schüler eine Mittagsverpflegung angeboten wird, hat sich das Bild gewandelt. Es wird auf vollwertige und schmackhafte Ernährung geachtet. So auch in der Mensa des Hermann-Staudinger-Gymnasiums in Erlenbach am Main im Landkreis Miltenberg.

Mensa-Angebot im HSG bei allen beliebt

Seit 2006 ist Annette Becker aus dem Stadtteil Mechenhard dort Küchenchefin. Gemeinsam mit ihrem Team kocht sie die unterschiedlichsten Gerichte. Insgesamt werden rund 720 Schülerinnen und Schüler am naturwissenschaftlich-technischen Gymnasium in der einwohnerstärksten Kommune im Landkreis Miltenberg unterrichtet. Viele nutzen das Mensa-Angebot, das Leckeres zu erschwinglichen Preisen auf dem Speiseplan hat. Auch die Lehrkräfte finden es toll. Zitat von Karin Lange-Schweikert (Lehrerin am HSG) zu dem Buch:

»Es lohnt sich echt!!!! So ein tolles Buch!!! Ein Muss für alle HSG-SchülerInnen, -LehrerInnen, -Eltern, -Großeltern, -Freunde, -Fans, -AbgängerInnen, ... und solche, die es werden wollen....«

Leider war dieser Genuss während des Corona-Lockdowns und den damit einhergehenden Schulschließungen gestrichen. Durch die sinkenden Inzidenzzahlen ist nun auch wieder Schulunterricht unter den gebotenen Hygienevorschriften nötig, so auch die Mittagsverpflegung in der Mensa.


Es werden auch Varianten vorgesschlagen.
Platz für eigene Notizen gibt's zudem.

Während des Corona-Lockdowns die Not zur Tugend gemacht


Das Küchenteam war während der Schulschließung nicht untätig, hat aus der Not eine Tugend gemacht und die Rezepte in einem Kochbuch der besonderen Art zusammengefasst. Der Titel: »Das ist lecker, Frau Becker«. Auf rund 135 reich bebilderten Seiten wird vorgestellt, was den Schülerinnen und Schülern, der ganzen Schulfamilie das Wasser im Mund zusammenfließen lässt. Von der Mittagsmahlzeit bis zum Pausensnack und so genanntem «Brainfood«, zahlreichen Süßspeisen und Kuchenrezepten enthält das Kochbuch nahezu alles, was das Herz begehrt- Aber noch mehr: Es werden Geschichten rund ums Kochen erzählt, die sich in der Mensa abgespielt haben. Alles absolut authentisch! Annette Becker kommt zugute, dass sie durch ihr Studium der Kommunikationswissenschaften sowie ihre berufliche Erfahrung das Rüstzeug als Layouterin und Texterin hat.


Hier ihre Vita:



Annette Becker

geboren 1962
Zwei Töchter (*1995 und 1998)
Bis zur 10. Klasse in Nordhessen aufgewachsen,
anschließend Abitur  und Studium in Berlin (Kommunikations- und Erziehungswissenschaften an der FU Berlin)
anschließend Freie Redakteurin bei Zeitungen in Berlin
Seit 1993 in Mechenhard,
erst zwei Jahre als Texterin in einer Werbeagentur in Aschaffenburg
1995 bis 2006 Redaktion im News-Verlag Miltenberg,
seit 2006 Betreiberin der HSG-Mensa



Aus der Pressemitteilung zum Buch


Während der coronabedingten Schulschließung war auch die Mensa geschlossen. Annette Becker und ihr Team nutzten die Zeit, um ein Kochbuch zu schreiben. Hierfür sammelte das Team Rezepte, die es üblicherweise in der Mensa gibt. Die Idee dazu lieferten ehemalige HSG-Schüler*innen. Denn nachdem sie nach ihrer Schulzeit weggezogen waren, fragten sie die Mensa-Chefin nach den unterschiedlichsten Rezepten. Neben der Idee für das Buch stammt auch der Titel von HSG-Schüler*innen, die nach dem Essen in der Mensa nochmal in der Küche vorbeikommen und sagen: „Das ist lecker, Frau Becker…“.

Alle Rezepte wurden für das Buch nachgekocht und fotografiert. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Gerichte schnell und ohne großen Aufwand zuzubereiten. Die Zutaten sind günstig, wobei man beim Kauf auf gute Qualität achten sollte – idealerweise Bioqualität empfehlen die Autorinnen.


Die einzelnen Arbeitsschritte für eine Kohlroulade


Die Rezepte wurden eingeteilt in die verschiedensten Kategorien und beinhalten einfache Basics wie Saucen, jedoch auch die Lieblinge der Mensa-Gäste wie z.B. Mexikanische Burritos oder Hähnchen in Dijonsenfsauce und Alltagshelden wie Allgäuer Käsespätzle. Außerdem werden Salatdressings, Süßspeisen sowie die beliebtesten Pausenbrote beschrieben. Auf einigen Seiten des Buchs wird von besonderen Kochevents berichtet, die in der Mensa stattfanden, beispielsweise mit TV- und Sternekoch Stefan Marquard oder Maurice Reymann - inklusive den Originalrezepten.

Außerdem wird das Geheimnis um das Margapolzza-Rezept gelüftet und man findet Rezepte, die sich Frau Becker und ihr Team nie getraut haben in der Mensa zu kochen, die aber unglaublich gut sind.

Der Kreativität sind beim Kochen keine Grenzen gesetzt. Es wird explizit empfohlen, die Rezepte auch abzuwandeln. Dafür ist auf jeder Seite in diesem Kochbuch Platz für eigene Notizen. Um beim Kochen beide Hände frei zu haben, ohne dass das Buch zuklappt, wurde es in einer praktischen Ringbindung gefertigt.

Der Kauf dieses Buches unterstützt das Mensateam finanziell und macht es möglich, Familie und Freunde auch Zuhause mit den Lieblingsgerichten aus der Mensa zu verwöhnen.


Mitgewirkt an dem Kochbuch haben neben Annette Becker noch Renate Kraft, Ulrike Lautenberger, Beyhan Budak, Sabine Spettel-Rittger und Ilona Winter vom HSG Mensa-Team.



Last but not least. Der Klappentext.

Kurz zusammengefasst

Als Verlegerin muss ich sagen: Prima gemacht! Gut strukturiert, mit Liebe, schönen Ideen und professionell gestaltet. 

Text und Fotos unterliegen dem Urheberrecht (Annette Becker und Ruth Weitz) und dürfen nur mit Genehmigung verwendet werden.


Samstag, 26. Juni 2021

Aus dem Tagebuch von Lilli Chapeau

Ihre Empfindungen und Erlebnisse während ihrer Quarantäne hat Lilli Chapeau
in einem Tagebuch zusammengefasst.

Das kleinste professionelle Theater der Welt von Céline und Clemens Bauer und die Location im Schlosspark Kleinheubach mit Theaterpavillon haben mich seit Jahren rundum fasziniert und animiert, darüber zu schreiben. Meine Tochter Miriam habe ich mittlerweile angesteckt. Celine ist als Lilli Chapeau bekannt. Sie ist eine ganz außergewöhnliche Künstlerin. Die Geschichte des kleinsten Theaters (es wurde 2004 gegründet) ist ungewöhnlich und beeindruckend. Für einen Beitrag auf dem Portal suite101 (das es leider nicht mehr gibt), erhielt ich sogar einen Preis. Das kleinste Theater in Miltenberg wird leider nicht mehr bespielt, nicht nur wegen Corona, sondern weil Clemens Bauer aus der Betreiber-GbR Ende Oktober 2020 ausgestiegen ist. Der Hintergrund ist mir nicht bekannt - und es geht mich auch nichts an. 

Lilli wird ausgebremst

Der Theaterpavillon im Kleinheubacher Schlosspark kam erst später und wird - wie Lilli in ihrem Tagebuch mit dem Titel »Wenn vieles anders kommt...« versichert - auch weiterhin mit ihren Stücken und Tieren für Theaterfreunde und -freundinnen zur Verfügung stehen. Ihr Schicksal beschreibt die Malaise vieler Künstlerinnen und Künstler in der Corona-Pandemie, die finanzielle Ungewissheit und der Schmerz, nicht mehr auf der Bühne stehen zu können. Für Lilli Chapeau war es doppelt schlimm. Sie war als Kontaktperson eines an Covid19-Infizierten gelistet und wurde kurz vor Beginn einer Vorstellung im März 2020 von der Gesundheitsbehörde im Landratsamt Miltenberg in Quarantäne geschickt. Dies hat sie so bildhaft in ihrem Tagebuch beschrieben, dass ich den Tränen nahe war. 

Hochwertig aufgemacht und schön zu lesen

Das kleine Bändchen in Fadenheftung und mit Lesebändchen, hochwertig aufgemacht und mit sehr gut strukturierten Inhalt bietet eine Lesefreude für alle, denen Empathie nicht fern ist und die lebendige Sprache als Ausdruck von Empfindungen mögen. Ihr Innerstes hat Lilli Chapeau in dem rund 130 Seiten umfassenden Bändchen nach außen gekehrt und lässt die Leser- und Leserinnen an den 14 Tagen Quarantäne teilhaben. Flankiert ist der Text mit einigen Zeichnungen. Die Zeit der Quarantäne verbringt sie mit ihren Tieren im Schlosspark - quasi ohne Kontakt zur Außenwelt. Mit ihren Tieren, den Pferden, den Pudeln, Kanarenvögeln und den Hühnern verbindet sie eine tiefe und innige Freundschaft. Es ist wunderbar zu lesen, wie sie deren individuelle Charaktereigenschaften beschreibt und welche besondere Begabungen in ihnen schlummern. Ich bin immer noch bass erstaunt, wie lernfähig und anhänglich Hühner sind. Es erinnert mich an meine Kindheit, als ich mit den Mechelner Hühnern in der Nachbarschaft spielte und die auf mich zu gerannt kamen, um sich von mir streicheln zu lassen.

Das Tagebuch hat die Autorin wohl bewusst mit der Aussage betitelt »Wenn vieles anders kommt...«, denn sie hatte ganz andere Pläne. Zum Beispiel ein neues Stück zu kreieren und aufzuführen. Der Inhalt ist ohne Pathos und Floskeln. Es ist ein sehr persönliches Büchlein. Teils mit philosophischem Inhalt. Lilli Chapeau kann der Corona-Krise sogar einige positive Züge abgewinnen. Sie schreibt auf Seite 116: 

»...Die Corona-Krise scheint tatsächlich doch auch einiges Gutes mit sich zu bringen. Nicht nur die Arbeit von Supermarktmitarbeiterinnen, sondern auch die von Kranken- und Altenpflegern wird jetzt auf einmal beachtet. Viele Menschen kümmern sich plötzlich mehr umeinander. Sie bilden zum Beispiel Nachbarschaftshilfen. Es entstehen auch unzählige neue Gabenzäune für Bedürftige. Die Luft ist sauber. Es gibt fast keine Flugzeuge mehr am Himmel Und viel weniger Wildunfälle. Oder überfahrene Kröten auf den Straßen...«

weitere Infos auf der Homepage www.lilli-chapeau.de, auf der auch die Kontaktadresse zu finden ist.

Hier mein Artikel auf pagewizz über das kleinste Theater der Welt.

Ein Zitat aus Lillis Buch »Parzival«

Text und Fotos unterliegen dem Urheberrecht. Copyright: Ruth Weitz


Donnerstag, 10. Juni 2021

Warum ich auszog, das Fürchten zu lernen


Frauenpower beim internationalen Frauentag 2019 für die MS-Selbsthilfegruppe aktiv im Kreis Miltenberg, von links Silke Kasamas, Xenia Hügel, Ruth Weitz, Maria Holzheid und vorne die Musikerinnen von PelenTan, Katharina und Annamaria Gielen.
Foto: Miriam Weitz

Kommunalpolitisch interessiert bin ich schon sehr lange. Deshalb engagiere ich mich seit 1983 im SPD-Ortsverein Obernburg, der vor 8 Jahren mit Eisenbach und Mömlingen fusionierte. Schon damals war mir klar, dass es kein Zuckerschlecken ist, sich in der Diaspora zur SPD zu bekennen. Aber ich bin sozialdemokratisch sozialisiert. Mein Großvater mütterlicherseits wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Bürgermeister eingesetzt. Er war Sozialdemokrat. Eine Entnazifizierung hatte er nicht nötig. Damals sind leider viele Menschen auf die Nazis hereingefallen und auf der Welle mit geschwommen. Leider ist auch - gerade im Osten der Republik - der Rechtspopulismus sehr stark. Die AfD hat hier Oberwasser. Hier kann eine gestandene Demokratin in der Tat das Fürchten lernen.

Die politische Laufbahn beginnt 

Im Jahr 1996 wurde ich für die SPD in den Kreistag gewählt, obwohl ich eigentlich keinen aussichtsreichen Listenplatz hatte. Hier spielte wohl auch mein Bekanntheitsgrad als rasende Reporterin eine Rolle und die Tatsache, dass ich mich bei politischen Themen klar positioniere und meine Fahne nicht nach dem Wind drehe. Bei der Kommunalwahl 2008 rückte ich für Dr. Matthias Castritius in den Obernburger Stadtrat nach, der sein Mandat kurz nach der Wahl niedergelegt hatte. Leider musste ich nach knapp 5 Jahren das Handtuch werfen, nachdem Ferdinand Kern seinen Fraktionsvorsitz und sein Mandat niedergelegt hatte. Den Fraktionsvorsitz konnte ich auf Dauer nicht wahrnehmen, zumal ich beruflich stark gefordert war. Bei der Kommunalwahl 2014 trat ich deshalb auch nicht mehr für den Stadtrat an. Ich hatte also das Fürchten gelernt und war nicht darauf erpicht, mir den Stadtratsstress erneut anzutun. Es ist nun mal so, dass ich mich einsetze, wenn ich in ein Amt gewählt werde und keine Staffage sein will. Als Kreistagsmitglied ist das etwas entspannter, weil nicht so viele Termine anfallen und der monetäre Verlust zu verschmerzen ist. Für Freiberufler gibt es einen Ausgleich für den Honorarausfall, der zwar nicht üppig ist, aber immerhin gibt es ihn. Damals wurde das für Obernburger Stadträtinnen und Stadträte abgelehnt.

Soziales Engagement

Weiterhin engagiere ich mich für viele soziale Projekte, zum Beispiel für die Selbsthilfegruppe MS aktiv mit der Leiterin Maria Holzheid, für die ich 2019 die Veranstaltung »Frauenpower x Fünf« organisiert hatte, die Pressearbeit und alles was Öffentlichkeitsarbeit betrifft, erledige. »Frauenpower x Fünf« wird auf jeden Fall wieder stattfinden, wenn die Corona-Pandemie es zulässt. 

Das Fürchtenlernen geht weiter

Im Vorfeld der Kommunalwahl 2020 kam alles anders als erhofft. Alle vier Räte der SPD-Fraktion im Obernburger Stadtrat traten nicht mehr an. Wir hatten alle Mühe, überhaupt eine Liste, geschweige denn 20 Kandidat*innen, zusammenzustellen. So machte ich mich erneut auf, das Fürchten zu lernen und ließ mich als Bürgermeisterkandidatin aufstellen. Es ging mir in erster Linie darum, der SPD in Obernburg ein Gesicht zu geben und sie nicht untergehen zu lassen. Als Bürgermeisterkandidatin hatte ich keine Chance, das war mir bei 4 deutlich jüngeren Gegenkandidat*innen glasklar. Aber immerhin erreichte ich ein sehr gutes Ergebnis als Listenführerin und erzielte knapp 30 Prozent aller SPD-Stimmen. Leider reichte das Gesamtergebnis nur für ein SPD-Stadtratsmandat aus. Die Freien Wähler fragten an, ob ich mich ihrer Fraktion anschließen würde und ich sagte zu. Nun gibt es die Fraktion FW/SPD mit sechs Mitgliedern - und wir leisten gute Arbeit, stellen nach dem Ausscheiden des Grünen Ansgar Stich mit Jessi Klug die dritte Bürgermeisterin. In den Kreistag wurde ich mit dem zweitbesten SPD-Ergebnis wiedergewählt.

Mittlerweile bin ich auch SPD-Vorsitzende im Ortsverein Obernburg-Eisenbach-Mömlingen. Hier habe ich in der Tat Kärnerarbeit zu leisten. In diesem Jahr steht die Bundestagswahl an. Trotz ernüchternder Umfragewerte derzeit habe ich die Hoffnung, dass die SPD besser abschneidet als prognostiziert. 

Während meiner fast vierzigjährigen politischen Laufbahn habe ich wirklich das Fürchten lernen können, aber mich nie unterkriegen lassen. Das werde ich auch für die Zukunft so halten. Glück auf!


Donnerstag, 8. April 2021

Kritik am »Freiwilligendienst im Heimatschutz« der Bundeswehr

Der Bundesfreiwilligendienst ist an die Stelle des Zivildienstes getreten und leistet Unterstützung in sozialen, karitativen und gesellschaftlich relevanten Einrichtungen.
Foto: pixabay


Heute erreichte mich eine Pressemitteilung des IB (Internationaler Bund) über den Bundesfreiwilligendienst, die ich gerne auf meinem BLOG veröffentliche. Viele hier im Landkreis Miltenberg wissen, dass der IB lange Jahre Träger der Berufsbildungsstätte Kloster Himmelthal im Elsenfelder Ortsteil Rück war.  Im Jahr 1620 gründete Fürstbischof Schweikart von Kronberg den Gymnasiumfonds, zu dem seit 1626 das Kloster Himmelthal gehört. Im Kloster befinden sich Einrichtungen zur Förderung der Jugend: die Berufsbildungsstätte und die Elsava-Schule, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.
Dieser Fonds wird vom Stiftungsamt Aschaffenburg verwaltet. 1965 bis 1973 wurde die Klosteranlage restauriert und für schulische, bildungsmäßige Zwecke zurechtgemacht. Fast 25 Jahre wurden in ein- bzw. zweijährigen Förderkursen Jugendliche, die den Anforderungen des Berufslebens noch nicht gewachsen waren, durch den Sozialverband „Internationaler Bund für Sozialarbeit mit Sitz in Frankfurt“ oder kurz „IB“ genannt, vorbereitet. Im Schuljahr 1992/93 übernahm der IB auch die Trägerschaft für die neu gegründete Schule zur Erziehungshilfe. Seit dem Schuljahr 1999/2000 befindet sich die Elsava-Schule zur Erziehungshilfe mit integrierter heilpädagogischer Tagesstätte in der Trägerschaft des Gymnasiumsfonds des Stiftungsamtes Aschaffenburg. Die Berufsbildungsstätte hingegen firmiert unter dem Kürzel BBS und ist mittlerweile eine gemeinnützige GmbH.  Quelle: Geschichte der Elsava-Schule
Auch wenn der IB sich aus den Bildungseinrichtungen im Kloster Himmelthal zurückgezogen hat, ist er immer noch ein wichtiger Sozialverband. Insofern ist die Pressemitteilung auch für andere Träger von Bedeutung, die Stellen im Freiwilligendienst anbieten.

Internationaler Bund: „Attraktivität der Armee nicht zulasten der Sozialen Arbeit stärken!“

Frankfurt am Main, 08. April

Der Internationale Bund (IB) kritisiert den neuen »Freiwilligendienst im Heimatschutz« der Bundeswehr deutlich - konkret: die Bezahlung. Präsidentin Petra Merkel bezeichnet unter anderem die finanzielle Bevorzugung der daran Teilnehmenden gegenüber den im Bundesfreiwilligendienst Beschäftigten als völlig inakzeptabel.

Die kurz nach Ostern 2021 erstmals in den Dienst eingetretenen Freiwilligen bei der Bundeswehr erhalten mindestens etwa 1.400 Euro netto pro Monat. Den meist jungen Menschen, die sich beispielsweise in Einrichtungen des IB im Rahmen eines Freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) bzw. als Bundesfreiwillige engagieren, zahlt der Staat dagegen nur wenige Hundert Euro für die gleiche Leistung.

Der IB setzt sich in seiner täglichen Arbeit dafür ein, die Position der Freiwilligen in Kitas, Flüchtlingswohnheimen oder Jugendzentren zu stärken. Präsidentin Merkel ist der Überzeugung, dass Ihnen mehr öffentliche Wertschätzung zuteilwerden sollte und eine solche Aufgabe attraktiv bleiben muss.

Petra Merkel kritisiert: „Seit Jahren erfüllen sehr motivierte und gesellschaftlich engagierte Freiwillige in den sozialen Einrichtungen des IB wertvolle soziale Aufgaben. Wenn ich das Anfangsgehalt im neu geschaffenen Dienst der Bundeswehr sehe, empfinde ich es als unglaublich, dass man die meist jungen Menschen im Sozialbereich vergleichsweise mit einem Taschengeld abspeist! Die Politik darf die Attraktivität der Bundeswehr nicht zulasten der Sozialen Arbeit stärken. Wir vom IB erwarten eine Gleichbehandlung der Freiwilligen!“

Internationaler Bund (IB) Freier Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit e.V.
Zentrale Geschäftsführung
Pressestelle
Matthias Schwerdtfeger
Valentin-Senger-Str. 5
60389 Frankfurt/Main
Tel. 069 9 45 45-108
matthias.schwerdtfeger@ib.de
www.internationaler-bund.de