Donnerstag, 16. Januar 2020

Was hat es mit dem christlichen Glauben auf sich?

Karl Kern bei der Buchvorstellung im Jugendheim Pia fidelis in seiner Heimatstadt Obernburg.

Nach längerer Zeit komme ich dazu, einige Gedanken auf diesem Weblog zusammenzufassen. Vorweg: Das mit dem Glauben an Gott, an die Trinität und an die Wiederauferstehung ist so eine Sache. Ich bin evangelisch getauft und 1968 konfirmiert worden. In Obernburg lebe ich seit mehr als 40 Jahren. Anfangs hatte ich es nicht leicht, denn die Menschen hier sind überwiegend katholisch. Damals war Ökumene nur ein Begriff, wurde aber nicht gelebt. Wir Lutheraner wurden als »Kirche« gar nicht anerkannt, obwohl wir christlichen Glaubens sind, Gottesdienste und das Abendmahl feiern. Das hat sich mittlerweile geändert. Die christlichen Kirchen üben Gemeinsamkeit. Was oft fehlt, ist die Begeisterung, den Glauben zu verbreiten und neue Formen zu finden, um das wachsende Bedürfnis der Menschen nach Spiritualität zu erfüllen. Die Kirchenbänke bleiben leer, junge Menschen wenden sich ab, weil ihnen das Verstaubte, das ewig Gestrige in der Liturgie nichts bringt. Die Predigten manchmal den Nerv der Zeit nicht treffen.


Bei meiner goldenen Konfirmation in Obernburg.

Bei der Buchvorstellung von Pater Karl Kern SJ, Kirchenrektor in St. Michael, München, ist mir klar geworden, dass die Formen der Gottesdienste und Messfeiern eines Relaunchs bedürfen, sowohl was uns Lutheraner als auch und gerade die römisch-katholische Kirche betrifft. »Das Alte neu sagen - Matthäus für heute« ist der Buchtitel und eine Zusammenfassung von Predigttexten aus freier Rede zum Matthäus-Evangelium. Es sind sehr anspruchsvolle, theologisch-wissenschaftlich untermauerte Texte und nicht leicht zu verstehen für Leser, die nicht bibelfest sind. Aber je intensiver ich mich mit dem Inhalt beschäftigt habe, umso mehr hat sie mich erfasst, die Sehnsucht nach der frohen Botschaft, nach der Vitalität, die in ihr steckt.

Bei meiner goldenen Konfirmation, die ich sowohl in meinem Heimatort Romrod 2018 feiern durfte und zwei Jahre später hier in der Friedenskirche, hat mich die Atmosphäre sehr berührt. Es war einfach schön, bekannte Kirchenlieder zu schmettern, das Abendmahl zu empfangen und den Bibelspruch auf einer Urkunde mit nach Hause nehmen zu dürfen. Erlebnisse, die nachhaltig wirken.

Polyphonie der christlichen Anfänge


....»Das Matthäusevangelium gehört zur Polyphonie der christlichen Anfänge. Es hat den Anspruch, das Ganze der Welt in Christus zu deuten. Diesem Anliegen dient vor allem das Gleichniskapitel (Kap. 13). In drei Predigten bekommt der Leser dieses Kapitel erschlossen. Die Botschaft dieses Evangelisten passt auch in unsere pluralistische und globale Welt, in der die Weltreligionen erstmals nahe beieinander leben.«...ist ein Zitat aus der Buchvorstellung.

Das Buch mit Predigten von Karl Kern.

Im voll besetzten Saal des Jugendheims »Pia fidelis« bekannte Karl Kern »Wir haben einen Reformstau«. ES haben sich nur wenige zu Wort gemeldet. Karl Kern gab zu, dass die Diskussion zu dem Thema in der Münchner Jesuitenkirche auf intellektuell hohem Niveau geführt wird, weil sich dort die entsprechende Klientel angesprochen fühlt. »Mit dem Verstand kann man die Trinität nicht beweisen - lebt sie, das ist genug«, sagte er zum Schluss und meinte, dass etwas entstehen müsse, was aus dem Menschen komme im Sinne einer Volksfrömmigkeit, die leider verloren gegangen sei.

Ein Weingeschenk von der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Katharina Volmer.

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